Archiv für August 2006

Re: St. Pauli

From: xxx
To: xxx
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xxx schrieb:

| Alles klar. Dann hol ich mal morgen 4 Karten.

bin gerade dran erinnert worden dass ich ja Inhaber einer halben Dauerkarte bin und selbige auch zur Verfügung habe. Und irgendwie beschleicht mich die Ahnung dass ich das im Verlaufe des Wochenendes schon mal vorübergehend gewusst habe und dass wir da sogar drüber geredet haben und irgend ein Problem darin gefunden haben.

Falls es das sein sollte dass ihr Nordkurvenkarten kaufen werdet, so wäre das OK, da ich da mit Dauerkarte bislang immer reingekommen bin. Falls es etwas anderes war, helft mir bitte auf die Sprünge - mein Gehirn ist gerade erst dabei, wieder von einem Alkoholpräparat unterscheidbar zu werden.

Treffpunkt ist mir mumpi.

Synchronisierter Unsinn

Das Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin tagt die Tage zum Thema „Adressieren, Speichern, Takten – Kulturtechniken der Synchronisation“. Worum geht es? Schauen wir in die Einladung. Zunächst wird das Problemfeld abgesteckt:

Synchronisation scheint Zeit vorauszusetzen. Erst gibt es unterschiedlichste Uhren, seien dies mechanische Uhrwerke, rhythmisch aufleuchtende Glühwürmchen, Gehirnwellen oder auf- und untergehende Gestirne und dann die Notwendigkeit, diesen einen gemeinsamen Takt aufzuzwingen bzw. die Ursachen für eine gute oder schlechte Synchronisation zu finden.“

Was heißt hier „voraussetzen“? Kausal voraussetzen, so wie der Stich die Mücke? Oder vielleicht begrifflich, so wie die Addition die Zahl? Das Wort „Synchronisieren“ bedeutet gemeinhin (und laut Wikipedia), zwei Dinge zeitlich aufeinander abzustimmen. Ein technischer Begriff, nicht mal ein naturwissenschaftlicher. Er setzt natürlich „Zeit“ voraus, aber nicht so, daß er sich auf einen ganz bestimmten Zeitbegriff stützte. Je genauer man weiß, was Zeit ist, desto genauer weiß man auch, was Synchronisation ist – so einfach ist das. Man wittert die wissenschaftskritische Breitseite: den Vorwurf, mit naiven Begriffen zu arbeiten und eigentlich kulturwissenschaftliche Erhellung nötig zu haben. Und tatsächlich:

Eine solche Vorgängigkeit von Zeit vergißt jedoch den Unterschied zwischen Synchronizität und Gleichzeitigkeit, auf den bereits 1851 Hermann von Helmholtz prominent aufmerksam gemacht hat. Wird ein Walfisch an seiner Schwanzflosse von einem gegnerischen Fisch attackiert, braucht der Schmerz einige Sekunden, um den Weg bis ins Gehirn des Walfischs zurückzulegen. Zwei nicht gleichzeitige Ereignisse können also offensichtlich synchron sein, genauso wie umgekehrt zwei nicht synchrone Ereignisse durchaus gleichzeitig stattfinden können – worauf sich die Relativitätstheorie gründet.

Das ist natürlich wirres Zeug. Die Relativitätstheorie hat nichts mit Wahrnehmung zu tun. Überhaupt nichts. Falls in einer Erklärung der Relativitätstheorie die Begriffe „synchron“ und „gleichzeitig“ mit unterschiedlicher Bedeutung verwendet werden, ist der Unterschied jedenfalls nicht der, von dem Helmholtz hier spricht. Auf das Problem, daß zwei gleichzeitig eintretende Ereignisse nicht unbedingt gleichzeitig wahrgenommen werden, hat bereits mein Sportlehrer in der dritten Klasse prominent aufmerksam gemacht, indem er den Stopuhrbediener anwies, zu starten, wenn er sieht, daß die Startklappe zugeht, statt wenn er es hört. Jeder weiß das, und für niemanden ist das geheimnisvoll, außer für postmoderne Kulturwissenschaftler, die von „Synchronizität“ raunen und damit auf Psychoanalyse, C. G. Jung und dergleichen esoterischen Quark anspielen. Das hat aber nichts mit Uhren, Glühwürmchen, Planeten und Gehirnwellen zu tun. Der Schwanzflosse-Hirn-Abstand einzelner Wissenschaftler spielt in der Erforschung all dieser Dinge nicht die geringste Rolle, genausowenig wie ihre sexuelle Orientierung oder ob sie gewaschene oder ungewaschene Haare haben. Die Relativitätstheorie übrigens auch nicht, außer bei den Planeten.

Um diesen Unterschied zwischen Gleichzeitigkeit und Synchronizität fruchtbar machen zu können, geht diese Tagung von der Idee aus, daß Zeit durch bestimmte Kulturtechniken allererst erzeugt wird.

Na klar. Gleichzeitigkeit und Synchronizität im Spätkapitalismus. Was noch? Ich schlage vor: „Der Große und der Kleine Zeiger – Über Phallokratie in der Zeitmessung“.

Analsex und Antizionismus

Ich war in Israel, auf der Queeruption. Dazu reicht ein Blog-Eintrag nicht, ein ganzer Artikel wäre realistischer. Den habe ich mir aber noch nicht einfallen lassen, und ich weiß auch nicht, ob ich es noch tun werde. Was ich schon habe, ist die Überschrift. Die faßt das Wesentliche schon ganz gut zusammen.