Archiv für September 2006

Zuversicht

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Lore Sjöberg via Wizards of OS

Über Sprachimperialismus

Die „blz“, das ist die Zeitschrift der Berliner GEW, in der ich Mitglied bin, befaßt sich unter dem Untertitel „Gegen den Sprachimperialismus in Deutschland“ mit der Frage, nach welchen Kriterien migrationshintergründige Kinder im Deutschunterricht benotet werden sollen.

Der ebenso naheliegende wie radikale und hier durchaus gut gelittene Vorschlag „Gar nicht. Sie sprechen eben schlechter Deutsch, man muß ihnen aber nicht unbedingt noch mehr Möglichkeiten verbauen, als ihnen deswegen ohnehin schon fehlen. Überhaupt könnte man bei der Gelegenheit mal wieder darüber nachdenken, ob Schulnoten überhaupt sein müssen“ wird leider nicht gemacht. Man macht es lieber andersherum und behauptet stattdessen, daß es so etwas wie gutes Deutsch eigentlich gar nicht gibt:

Eine häufig beobachtete Fehleinschätzung von (Migranten-)Kindern liegt in dem Beharren auf fixen Sprachnormen, nach denen die Bewertung der Sprachkenntnisse vorgenommen wird. Dies ist durchaus fragwürdig, da Normen – wie Sprachen überhaupt – einem steten Wandel unterworfen sind. Nicht zuletzt spiegelt sich dieser Prozess in der gegenwärtig ablaufenden „unendlichen Geschichte“ der deutschen Rechtschreibreform wider.

Was für ein schlechtes Argument. Normen ändern sich, nicht nur sprachliche. Na, und? Folgt daraus, daß die Fähigkeit, die jeweils geltenden Normen einzuhalten, unwichtig wäre? Nein. „Fragwürdig“ ist es vielleicht trotzdem, aber wenn, dann jedenfalls nicht aus diesem Grund.

Es wird als veraltet bezeichnet, Fehler als Fehler anzusehen, sofern man trotzdem noch irgendwie verstehen kann, was gemeint ist:

Es ist eine Tatsache, dass Artikelfehler sehr selten das Verständnis stören, sondern nur das ästhetische Empfinden verletzen, und zwar nur dann, wenn der Sprecher unsympathisch ist oder aus einem Land stammt, das ohnehin wenig Prestige hat. Eine Französin, die einen falschen Artikel benutzt, kann als ‚entzückend’ empfunden werden, während ein arabischer Junge, der von ‚die Auto’ spricht, als primitiv und ungebildet eingeschätzt wird.

Das mag faktisch stimmen. Den zwischen den Zeilen stehenden Sexismusvorwurf an den als männlich und heterosexuell vorgestellten, spießigerweise auf veraltete Sprachnormen bestehenden Lehrer habe ich aber bemerkt. Vielleicht neige ich dazu, arabische Jungen entzückend und Französinnen ungebildet zu finden. Was sagt ihr jetzt? Wäre ich Lehrer – ich will nicht mit Sicherheit behaupten, solche Vorurteile hätten keinen Einfluß auf meine Notenvergabe, obwohl ich es mir anders wünschen würde. Das ist ein gutes Argument gegen die Benotungspraxis überhaupt. Mit der Frage, ob es wichtig ist, korrekt Deutsch sprechen zu können oder nicht, hat es aber nichts zu tun.

Wie soll ich meine Noten also geben? So:

In der Aus- und Weiterbildung von Erzieher/innen und Lehrer/innen sind daher neue Bewertungsstandards einzuführen, die stärker kognitive und emotional-inhaltliche Ausführungen als formale Korrektheiten berücksichtigen.

Und das ist rigoros abzulehnen, meine Damen und Herren! Auf keinen Fall sollen real existierende Lehrkräfte „emotional-inhaltliche“ Ausführungen mit Noten bewerten. Dabei können nämlich tatsächlich nur noch Sympathienoten herauskommen, etwas anderes kann dieses nichtssagend-einfühlsame, wohlmeinend-wirre Doppeladjektiv gar nicht bedeuten.

Abschließend zitieren wir eine Stelle aus dem Aufsatz eines als sprachlich schwach eingestuften türkischen Schülers (6. Klasse), die deutlich macht, dass die Bewertung nach Fehlern nicht die Qualität eines Textes ermessen kann. Zum Thema „Meine Traumreise“ schreibt er: „[…]Nach ein oder zwei Wochen würde ich nach unsere dorf fahren. Da wohnen meine Oma und mein Oper. Ich wörde da von Auto ganz schnel aussteigen und mein Opers Bard anfassen und streischen. Weil das mein Oper liebliengs Bard ist, und auch natürlich mein libliengs Bard ist. Dan würde ich zu meinen Oma von Herzen ein Kus auf ihre baken geben. Ich würde sehr viel mit sie reden, weil ich sie sehr vermist habe.[…]“.

Darauf läuft es nämlich hinaus. Da fand eine der Autorinnen wohl einen türkischen Jungen und seinen Text emotional-inhaltlich entzückend. Hätte er auf dem gleichen Sprachniveau über etwas weniger Niedliches geschrieben, hätte er eine schlechtere Note verdient. So hättet ihr’s wohl gerne.

Jerusalem (durch den Photoapparat meines Reisebegleiters gesehen und gehört)

Was? Ich will ja nur ausprobieren, wie das Einbetten von Videos funktioniert? Stimmt! Technische Kommentare sind ausdrücklich erwünscht.

Einen habe ich schon selbst: Das Flash-Script von YouTube rennt jedenfalls unter Mac OS X reproduzierbar in eine Endlosschleife, wenn das Video fertig abgespielt ist. Beeindruckenderweise ist der Flash-Host intelligent genug, das zu vermuten (mit Sicherheit feststellen kann er es nicht, aus theoretisch-informatischen Gründen) und mir anzubieten, das Script abzubrechen. Vielleicht versuche ich das nächste mal lieber Google Video.

Update: Natürlich kann aus dem gleichen Grund ich selbst im Allgemeinen auch nicht entscheiden, was eine Endlosschleife ist. Und natürlich können sowohl ich als auch der Flash-Player das in einzelnen Fällen möglicherweise schon.