Archiv für November 2006

Dreht das?

Mein Gehirn denkt, es dreht – und meine Füße gehen schonmal nach Hause.

Kino des Grauens

Der neue James-Bond-Film ist relativ prima. Aber das Cinestar-Kino am Potsdamer Platz schockt überhaupt nicht. Alle Schlangen (Kasse, Bier) sind viel zu lang. Alles außer dem Eintritt (Bier) ist viel zu teuer. Die Kundenanzeige der Kasse zeigt völlig ohne Grund in riesigen Buchstaben meinen bei der Reservierung angegebenen Namen quer durch den Raum. Das Herren-WC riecht intensiv nach abgestandenem Pipi, obwohl es sehr sauber aussieht. Die Angestellten müssen eine riesengroße Plastikkarte an ihrer Uniform tragen, auf der „Mitarbeiterausweis“ steht, was so lächerlich ist, daß es mir für sie unangenehm ist. Der 144 Minuten lange Film wird durch eine viertelstündige Pause unterbrochen, um noch mehr Bier zu verkaufen und die Legitimität des Überlängenzuschlags zu unterstreichen.

Das alles wird aber mehr als ausgeglichen durch das kritische Publikum, denn, meine Damen und Herren, wir befinden uns hier in einem Kino für Kenner, für Cineasten, immerhin für Menschen, die sich einen Film gern „im Original“ ansehen:

(nasalisiert) Also ich finde, das war eine überlange Spionage-Telenovela. (akzentiert, niederschmetternd) Sonst nichts!

Endlich auch nachts Mozzarellabälle!

Ich freue mich mit der Riesenmaschine, allen Informatikstudenten, Hackern und anderen Digitalbohèmisten sowie dem schichtarbeitenden Teil der Bevölkerung über den Fall des Ladenschlussgesetzes. Auch wenn dadurch eine dieser Gruppen wahrscheinlich jäh anwachsen wird, und ich meine nicht die Hacker.

Auf daß die Gewerkschaft mich trotzdem nicht ausschließen möge. Aber denen ihre Zeitung ist ohnehin schlecht.

RAF ist geil

Rote Armee Fraktion - Alles, was Ihr Herz begehrt, 75% günstiger!
via Jan, von rafinfo.de

Coming out

Lange Zeit war es nur das Gefühl, daß etwas nicht stimmt. Ich dachte, ich wäre der einzige Mensch auf der Welt, dem es so geht. Ich wußte ja nichtmal, daß es ein Wort dafür gibt. Aber auch, als ich das Wort dann lernte, nahm ich es noch nicht für mich in Anspruch. Obwohl ich nie etwas gegen solche Leute hatte und mir auch bei meinen Freunden sicher war und bin, daß es ihnen nicht anders geht. Aber dieser Moment, in dem es „klick“ machen müßte, in dem man den abstrakten Begriff und das eigene Befinden in Deckung bringt und sich sagt „ja, so ist es dann wohl“, der bleibt einfach aus. Angst vor Ablehnung? Von wegen. Psychologie ist komplexer, unabhängiger von unseren Interpretationen und, ja, auch zufälliger, als Küchentisch-Sozialpädagogik und erst recht Psychoanalyse wahrhaben wollen und erklären können.

Aber seit heute bin ich mir sicher.

Ich bin entspannter Prokrastinist.

Wie man fast im SPAM-Filter landet

Ich habe gerade über studentische Email-Verteiler des Instituts, von dem ich mir in Sechsmonatsfrist mein Hochschuldiplom erhoffe, zwei Nachrichten bekommen, die im Rennen um den Titel „unseriösester Aufruf“ Kopf an Kopf laufen. Erlaubt mir etwas konstruktive Kritik.

Nummer eins:

!!!!!!!!!! Eine gute Chance für Studentinnen !!!!!!!!!!!!
Ihr könnt Euch mit einem Beiträge aktiv an einem Fachkongress beteiligen.

33. Kongress Frauen in Naturwissenschaft und Technik in Lüneburg – FiNuT 2007

Unter dem Motto „Nachhaltig Vorsorgen“ betrachten und diskutieren Frauen aus unterschiedlichsten Berufs- und Statusgruppen Themen aus Naturwissenschaft und Technik. Die Themenbereiche gliedern sich in fünf Welten: Lebenswelten, Wissenswelten, Umwelten, Technikwelten und der Einen Welt. Jede einzelne Welt wirkt in unser Leben.
[…]

Man sollte keine Ausrufezeichenketten verwenden. Niemals. Und die Mail hinterher wenigstens einmal durchlesen, damit Dinger wie „mit einem Beiträge“ oder das mit der einen Welt, in der sich unser Leben gliedert, nicht passieren. In Blogs ist soetwas egal, aber doch nicht, wenn man hochstapeln möchte.

Die Bezeichnung „Fachkongress“ verheißt genauso wie „Leistungsmarke“, „knackfrischer Salat“ oder „weltbekannter Dichter“ das genaue Gegenteil. Bei einem echten Fachkongress muß man nicht dazusagen, daß er einer ist.

Das Eine-Welt-Hippiegefasel ist ausgerechnet im Kontext naturwissenschaftlicher Frauenförderung, sagen wir mal, dem Ruf dieses begrüßenswerten Vorhabens eher nicht förderlich. Und schließlich: Wenn es sich um mehr als jeweils eine Lebens-, Wissens-, Um- oder Technikwelt handelte, wären es zusammen mit der Einen Welt schonmal mehr als fünf.

So. Nummer zwei:

Liebe StudentInnen und AbsolventInnen,

im Rahmen eineri Gründung suchen wir ab sofort engagierte Informatiker für unser Team.

Sie sollten sich in einem oder mehreren der folgenden Bereiche auskennen:

PHP
Apache
Datenbanken (MySQL usw.)
Systemadministration von Linux (LAMP)
HTML CSS Javascript
AJAX
Java
C++
Objektorientiertes Softwaredesign

Wir sind:
- Studenten, die vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi/BMBF) gefördert werden
- Wir arbeiten selbständig an innovativen Projekten
- 4 Personen: Informatiker, BWL, VWL

Wir bieten:
- Entwicklung von innovativen Zukunftsprodukten im Informationstechnologiesektor
- langfristig orientierte Zusammenarbeit
- Praktikas
- Jobs von Aushilfe über Festangestellter bis Gesellschaftler

Interessiert?
Melden Sie sich per Mail an mackebrecht@mi.fu-berlin.de oder per Telefon 01xxxxxxx.

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Flöthilf Mackebrecht1
Project Manager

TY Project
Free University of Berlin
Arnimallee 3
14195 Berlin
Germany

E-Mail: mackebrecht@mi.fu-berlin.de
Cell : +49 (0) 1xxxxxxx
Telefon: +49 (0) 30 -xxxxxxxxxx

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The information contained in this email is intended only for its addressee and may contain confidential and/or privileged information. If the reader of this email is not the intended recipient, you are hereby notified that reading, saving, distribution or use of the content of this email in any way is prohibited. If you have received this email in error, please notify the sender and delete the email. We use updated antivirus protection software. We do not accept any responsibility for damages caused anyhow by viruses transmitted via email.

Davon abgesehen, daß „Praktikas“ unverzeihlich sind, und zwar sowohl das Wort als auch das Bezeichnete: Was um alles in der Welt treibt Menschen in unserem Alter dazu, völlig ohne Not die Bullshit-Ausdrucksweise und das Personalmarketingsprech eines bestimmten Unternehmermilieus zu imitieren? Das haben wir doch gar nicht nötig! Von Kommilitonen erwarte ich, daß sie mit offenen Karten spielen und sagen, was ihr Unternehmen überhaupt herstellen soll, wie und warum es genau gefördert wird, wem die Gewinne gehören und so weiter und so fort. Von einem konkreten Job steht da nämlich nichts, geschweigedenn von Konditionen, und somit handelt es sich nicht um ein „Jobangebot“, wie es in der Betreffzeile hieß, sondern um Wichtigtuerei, was durch die alberne pseudo-offizielle Fußzeile und den nichtsnutzigen Disclaimer nur noch unterstrichen wird.

Bevor ihr mich arrogant oder kleinlich nennt, haltet mir bitte zugute, daß die Quellenmails immens in Arroganzvorleistung getreten sind. Ich würde mich über soetwas nie herablassend amüsieren, wenn die nicht selbst so schrecklich prätentiös wären und nicht so täten, als wären sie das, worauf alle Welt schon lange gewartet hat. Ganz so, als sei es selbstverständlich als große Chance anzusehen, auf diesem Kongress vortragen oder in diesem Unternehmen arbeiten zu dürfen. Sobald jemand so auftritt, darf man ihn nicht mehr nur fair kritisieren, wie einen Kommilitonen, sondern auch ein bißchen schmähend, wie einen Personalchef.

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