Minus

Liebe Radioreklameansager_innen,

hört doch bitte auf, das Zeichen „–“ in Internetadressen „minus“ auszusprechen. Wer hat euch da bloß beraten.

Erstens würde es nur eine einzige Silbe mehr kosten, das Ding seiner Funktion gemäß „Bindestrich“ zu nennen, was zudem ungünstige Assoziationen vermeidet wie sie von Sätzen wie „Spenden Sie jetzt bei WWW Aktion minus Sorgenkind DE“ hervorgerufen werden können.

Zweitens ist der Bindestrich, zum Donnerwetter, ohnehin der einzige Strich, der im fraglichen Teil von Internetadressen auftreten kann, deswegen sind Verwechslungen mit Unter- und Schrägstrichen ohnehin ausgeschlossen. Wenn ihr Sendezeit mikrosekundenweise sparen müßt, könnt ihr also gefahrlos einfach „Strich“ sagen.


5 Antworten auf “Minus”


  1. 1 Jan 13. Dezember 2007 um 17:22 Uhr

    Stimmt, „Aktion minus Sorgenkind“ mit Betonung auf „Minus“ klingt irgendwie nach Aktion T4. Vielleicht bin ich aber auch nur historisch hypersensibilisiert.

    Was anderes, fängst Du jetzt auch schon mit dem herumgehühnere mit „_“ in Wörtern an?! Kann man_innen doch sowieso nicht aussprech_innen.

  2. 2 michael 13. Dezember 2007 um 19:06 Uhr

    Nur manchmal, wenn ich Lust hab. Da hab ich auch gar keine besondere Meinung zu, solange mir niemand klarmachen will, es sei zwingend moralisch verpflichtend, das wichtig zu finden.

  3. 3 Jan 13. Dezember 2007 um 20:00 Uhr

    Ich denke ja, das die Annahmen über Sprache und gesellschaftliche Realität, die unausgesprochen hinter (häufig postmodern) linker Sprachpolitik stehen extrem wackelig sind. Die Frage ist doch, können Wahrnehmungsmuster und Einstellungen durch Austausch oder Neuschöpfung von Begriffen verändert werden? Oder umgekehrt, denke ich bei bestimmten Berufsbezeichnungen z.B. nur an Männer, weil nur sie sprachlich repräsentiert werden, oder weil ich einfach bestimmte Berufe (zurecht oder fälschlich) eben mit Männern assoziiere? Ich denke das Phänomene wie die „euphemism threadmill“ oder die Tatsache das es Sprachen ohne geschlechtliche Artikel aber mit durchaus sexistischen Sprechern gibt eher dagegen sprechen.

    Im Brustton der Überzeugung (aber ohne Belege) vorgetragene Sätze wie: „Sprache konstituiert die gesellschaftliche Realität!“ kann ich jedenfalls so nicht unterschreiben. (Nicht das ich behaupten würde Du tätest das).

  4. 4 michael 13. Dezember 2007 um 20:13 Uhr

    Ja, klar. Darauf ne Folge South Park. The Death Camp of Tolerance zum Beispiel.

  5. 5 Alex 05. April 2008 um 3:19 Uhr

    Wie man’s auch wendet: die Leute von „www.binde-strich.de“ haben wenig Chancen, nicht ausgelacht zu werden, wenn sie denn mal Radioreklame schalten. Die Armen.

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