Archiv für Februar 2008

Nichtkundendienst mangelhaft

Ich erhalte einen Brief der Firma Strato. Eine dritte Mahnung über 45 €. Falls ich nicht zahle, werde sich ein Inkassobüro mit mir befassen, und außerdem werde meine Domain „wrtzlubrompf.de“ bereits mit jenem Schreiben fristlos gekündigt.

Ich habe nie eine solche Domain betrieben. Ich habe nie eine erste oder zweite Mahnung erhalten.

„Klarer Fall“, denke ich, hat sich irgendein Spammer irgendwoher meine Hausadresse gephisht, ist ja auch kein großes Geheimnis, und sich beim Webhoster auf meinen Namen angemeldet. Kann passieren, kann die Bude auch nur eingeschränkt was dafür, ist kein Grund, sich aufzuregen. Schreib ich denen halt eine Mail und kläre das.

Auf dem Schreiben steht keine Email-Adresse.

Unsere Buchhaltung erreichen Sie unter:

www.strato-buchhaltung.de
FAX: (030) …

„Je nun“, denke ich, und komme mir sehr geduldig und großmütig vor: Mache ich den Laden eben auf seinen Irrtum aufmerksam, indem ich widerstrebend ein Web-Formular ausfülle, statt Papier in das höchstens noch für Anwälte, Steuerberater und andere Standesberufsangehörige mit konservativer Kommunikationskultur relevante Auslaufmedium Fax zu stecken.

Ich soll meine Telefonnummer eingeben. Das Webformular will meine Nachricht nicht annehmen, wenn ich meine Telefonnummer nicht eingebe.

„So weit kommt’s noch“, denke ich, und tippe ein paar Nullen ein, obwohl ich mich an dieser Stelle bereits berechtigt sehe, meinen Klärungsversuch bona fide aufzugeben.

Also schreibe ich:

Guten Tag,

heute habe ich unter og. Nummer eine Mahnung über 45 € von Ihnen bekommen.

Dazu teile ich mit: Ich war nie Kunde bei Ihnen, habe keine Leistungen entgegengenommen, schulde Ihnen kein Geld und habe auch nie zuvor eine Rechnung oder Mahnung von Ihnen bekommen.

Ich hoffe, Sie können die Sache klären und mir dies schriftlich bestätigen. Meine Adresse haben Sie ja.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr M.

Ich zeichne seit geraumer Zeit auch auf Geschäfts- und Amtsbriefen immer mit „Ihr“, weil ich glaube, daß das höflich und gleichzeitig selbstbewußt wirkt.

Die Antwort kommt nur einen halben Tag später:

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 27.02.2008.

Alles noch aktuell?
Neue Adresse? Neue Bankverbindung? Neuer Name? Bitte informieren Sie uns in Ihrem Kundenservicebereich unter http://www.strato.de/login/index.html, Menüpunkt Vertragsbetreuung, Änderung der Stammdaten.
Vielen Dank!

Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß wir aus Datenschutzgründen auf nicht-authentifizierte E-Mails keine Auskunft über den Status von Bestellungen und Verträgen geben, sowie in diesen keine Änderungen vornehmen können.

Dies dient dem Schutz unserer Kunden.

Nutzen Sie dazu bitte unsere Hotline, die unter 01805-050301 (0,14 €/Min aus dem Festnetz der DTAG) zu erreichen ist, oder unsere Faxnummer 030-88615334.

Mit freundlichen Grüßen

Customer Care

Ich bin kein Kunde. Ich will keine Auskunft und keine Änderung. Ich brauche keinen Schutz.

„Mutter, mach‘ Licht“, denke ich, und gebe einstweilig auf. Was als nächstes passieren wird, kann sich jeder am Arsch abklavieren: Mein Klärungsversuch ist in einer menschlichen Eingabemaske, einer Aufmerksamkeitssenke, einem Mitarbeiter eines dämlichen Call-Centers steckengeblieben. Also werden die jetzt ihr genauso dämliches Inkassobüro losschicken.

Mit dem Inkassobüro werde ich nicht reden. Ich werde warten, bis sie mich verklagen, sie auflaufen lassen und einen befreundeten Anwalt noch eine Gebühr dafür kassieren lassen, falls der Lust hat, sich das anzutun. Der schickt ihnen dann sicher auch ein Fax.

Ich habe es wirklich versucht. Ich sehe nicht ein, auch nur eine Minute oder eine Briefmarke zu investieren, um denen beim Reparieren ihrer kaputten Geschäftsprozesse zu helfen. Insbesondere verweigere ich mich, mit ahnungs- und schuldlosen, unterbezahlten Telefonkräften zu streiten, mit denen Saftläden wie dieser sich als Teil ihres Geschäftsmodells vor berechtigten Beschwerden von Kunden und Nichtkunden abschirmen.