Archiv für November 2008

Schöner schimpfen

Ich empfehle heute einen Artikel, der meinen Wortschatz um den hinreißenden Ausdruck „postmoderner Allesversteher“ bereichert hat.

Gute Miene

Ich bin erkältet. Mein Arbeitskollege hat mir extra aus der Apotheke eine Packung anthroposophische Schüsslersalz-Globuli mitgebracht, und ich hätte ihn, glaube ich, wirklich verletzt, wenn ich die nicht artig eingesteckt hätte.

Schüsslersalze sind nicht das gleiche wie Kräuterhausmittel, die traditionell gegeben werden und vielleicht ein bißchen helfen, sondern sie sind ein Regenzauber, die Idee eines schrulligen Gesundbeters, die über die Arzneimittelzulassungs-Extrawurst in die Apotheken gekommen ist, welche in Deutschland speziell für die Anthroposophen skandalöserweise gebraten wird. Die einzige Tradition, in der das Zeug steht, ist die okkultistische.

Ich bin dann verlegen. Es geht nicht darum, dass ich nicht an das Zeug glaube. Nicht glauben tue ich unter anderem, in unterschiedlichen Graden der Überzeugung,

  • daß das Betrachten nackter Menschen jemanden in seiner Jugend gefährden kann,
  • daß es gerade aus dem Grund schädlich ist, die Deutsche Bahn zu privatisieren, weil sie eine wichtige Rolle als öffentlicher Beschäftigungsträger spielt,
  • daß Schwulsein eher eine Angewohnheit oder gar ein begriffliches Mißverständnis ist als eine reale, stabile Eigenschaft einer Person,
  • daß es in Brandenburg deswegen so viele Neonazis gibt, weil man in DDR-Kindergärten gemeinsam aufs Töpfchen ging,
  • daß eine Person mit durchschnittlichem Einkommen irgendeinen Nutzen von der Inanspruchnahme eines Finanzberaters hat.

Das ist etwas ganz anderes.

Es geht auch nicht darum, daß ich Personen, die ich für abergläubisch halte, geringschätzen würde. Das ist nicht der Fall.

Es geht darum, daß ich befürchte, daß diese Menschen ihren Glauben an Schüsslersalze für edler halten als, sagen wir, Nina Hagens Glauben an die Macht der Sternzeichen. Und daß sie verletzt wären, wenn sie so ganz deutlich erführen, daß ich das nicht so sehe.

„Danke, ich werd’s mir zuhause mal einfahren.“

Meine Hauswartin ist eine Rassistin

Die haben im 2. Stock Zahnpasta an die Tür geschmiert. Gucken Sie sich das mal an, das hat richtig Ränder gegeben. Muß neu gestrichen werden. Schrecklich sowas. Türkenkinder waren das.

Ich habe die Kinder gesehen, und es waren in der Tat soetwas wie „Türkenkinder“. Meine Güte, wir sind in Neukölln. Die fahren die Kinder nicht extra zu Halloween mit dem Bus aus Charlottenburg ein. Trotzdem widerstrebt es mir, jemanden allein wegen einer Aussage zu verurteilen, die nunmal inhaltlich ungefähr stimmt.

Also habe ich nochmal nachgefragt. Ob nicht vielleicht auch ein oder zwei deutsche Kinder zumindest theoretisch hätten dabei gewesen sein können.

Nein, nein, das waren Türkenkinder. Deutsche Kinder machen sowas nicht. Das machen nur die Ausländerkinder.

Und dafür hätte sie natürlich verdient, ganz etwas anderes ganz woanders hin geschmiert zu bekommen. Kann ich die Miete mindern?