Archiv für Juli 2009

Arbeit lohnt sich nicht

In einem haben diejenigen, die mit „Arbeit muss sich wieder lohnen“ gegen den Sozialstaat wettern, sogar recht: Der Grenznutzen harter Arbeit ist tatsächlich miserabel. Unrecht haben sie mit ihrer Forderung.

Sondern andersrum: Jede zusätzliche Stunde nicht-selbstbestimmter Lebenszeit pro Woche ist erheblich nerviger als die Stunde davor. Man braucht aber jeden zusätzlichen Euro pro Woche weniger dringend als den Euro davor. Für viele Menschen wäre es daher ökonomisch sinnvoll, weniger zu arbeiten. Und da ist die Steuer- und Sozialabgabenprogression, auf die sich die „muss-sich-wieder“-Fraktion eingeschossen hat, noch gar nicht berücksichtigt: Durch sie wird das Argument nur verstärkt. Es gilt aber auch ohne.

Dass die Arbeitswelt trotzdem so aussieht, wie sie aussieht, kann ich mir nur so erklären, dass die meisten Menschen (inklusive mir) nicht nur so viel arbeiten, wie sie eben wollen oder müssen, sondern so viel, wie man „nunmal üblicherweise“ arbeitet. Vielleicht werden sich demnächst mehr von uns Leuten entschließen, post-traditional und stattdessen ökonomisch vernünftig zu handeln und nur noch halbtags zu arbeiten.

Wenn genug auf einmal auf die Idee kommen, werden auch die Arbeitskraft-Abnehmer ihre Vorbehalte dagegen nicht weiter durchsetzen können und entsprechende Stellen anbieten müssen. Wenn genug Menschen in geeigneten Branchen (nicht Krankenversorgung oder Brückenbau) gar keinen Bock mehr auf Normalarbeitsverhältnisse haben und stattdessen Freiberuflichkeit oder befristete Jobs nicht mehr als prekär schelten, sondern frei wählen, werden die sogar gar nicht mehr gefragt.